Wie der deutsche Zoofachhändler Norbert Zajac in seinem Warenkatalog 2008 erwähnt, sind nach seiner Ansicht 90 % der Aquarien in den Privathaushalten sogenannte Gesellschaftsaquarien.
Bis heute wurden keine umfangreichen, wissenschaftlichen Verhaltensuntersuchungen an Fischen in Gesellschaftsaquarien durchgeführt. Somit fehlt es leider an entsprechenden Erkenntnissen. Deswegen enthält der «Aquarienzoo» im Wohnzimmer stets etwas: imposantes, seltenes, skuriles und viel buntes sowie eine Gruppe «Müllschlucker». Räuber werden ausserdem oft mit Pflanzenfresser vergesellschaftet.
Die Untersuchungen von Dr. med. vet. Jutta Etscheid in den 90er Jahren zeigten, dass über die Hälfte der begutachteten Aquarien überbesetzt waren und in weit über 70 % der Aquarien verschiedene Fischarten mit unterschiedlichen Milieuansprüche zusammenleben mussten.
Im Grund der Dinge ist die Pflege von herkömmlichen Gesellschaftsaquarien nicht mehr zeitgemäss. Besser ist es sogenannte Biotopaquarien einzurichten. Darin leben Fische, die auch in der Natur miteinander auskommen.
Wo treten Probleme auf?
Viele Leute lassen sich beim Aquarienkauf von den Zoofachhändlern nur oberflächlich über die Bedürfnisse der jeweiligen Fischarten informieren. Auch werden keine weiteren Informationsquellen verwertet. Schätzungsweise sind rund 50 % solcher Spontankäufer anschliessend mit der Pflege eines Aquariums überfordert. Vermutlich sterben in solchen Fällen etwa 80 % der gekauften Fische in den ersten drei Monaten. Dieser Eindruck entstand bei diversen Beratungsgesprächen in der Zürcher Fischauffangstation FAS. Bei dem eben erwähnten Kundensegment fällt zudem auf, dass sie ihre Fische ebenso spontan entsorgen möchten, wie sie die Tiere gekauft haben. Bei der Kundschaft eines Zürcher Zoofachgeschäftes, sind dies durchschnittlich 100 Personen pro Jahr, die schon nach relativ kurzer Zeit ihr Aquarium wieder trocken legen. Dabei landen mache Fische in der Toilette – bei anderen weiss man es nicht so genau.
Die Aquarienfische sind zur Verschleissware verkommen. Viele Leute machen sich kaum Gedanken über die Bedürfnisse der Fische. Ein weitverbreiteter Fehler ist, dass zu viele Fische in zu kleinen Aquarien leben und es fehlt in der Regel an geeigneten Lebensraumstrukturen. Grosswüchsige Buntbarsche, Haiwelse und Siamesische Rüsselbarbe sind einige der Fische, welchen es vielfach an ausreichend Lebensraum fehlt.